Joschka Fischer im Interview mit der Kölnischen Rundschau
Konrad Adenauer hat bis heute gültige Grundlinien deutscher Außenpolitik vorgezeichnet und war von 1951 bis 1955 selbst Außenminister. Einer seiner Nachfolger in diesem Amt war Joschka Fischer. Wie bewertet er Adenauers Leistung?
Herr Fischer, Konrad Adenauer war unter anderem auch Ihr Amtsvorgänger – im Amt des Außenministers. Sein Name ist international mit der Westintegration Deutschlands verbunden. 150 Jahre nach seiner Geburt, knapp sechs Jahrzehnte nach seinem Tod sehen wir viele krisenhafte Zeichen, unter anderem die neue US-Sicherheitsstrategie. Geht die Ära der sicheren Integration ins westliche System zu Ende?
Was das westliche System betrifft, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch – denn dieser Begriff schließt die USA ein. Adenauers eigentliche Leistung, die unter dem Begriff der Westintegration gesehen wird, war die Europäisierung Deutschlands. 1871, mit der Vereinigung nach dem Deutsch-Französischen Krieg, war eine Großmacht in der Mitte entstanden, allein, ohne feste Bindung. Das hat sich als großes Unglück für uns und den Kontinent erwiesen. Adenauer hat die Europäisierung Westdeutschlands vorangebracht. Das war seine riesige historische Leistung, und die wird jetzt durch die AfD in Frage gestellt. Machen wir uns da keine Illusionen.


